Da sind wir wieder. Erste offizielle Ausgabe. Und die Lage? Angespannt. Vor wenigen Tagen hat jemand einen Molotow-Cocktail auf das Haus von OpenAI-CEO Sam Altman geworfen. Kurz darauf: Schüsse auf dasselbe Haus. Mit einer Pistole. Daran gibt es nichts schönzureden. Aber es zeigt, wie aufgeladen die Stimmung rund um KI gerade ist. Los!
Peanuts für heute:
- 🧠 Die Große Nuss: Anthropics Mythos Model: Durchbruch oder Marketingstunt?
- 📊 Highlight: Amazon gibt 2025 rund 200 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur aus
- 🛠️ Trai it Out: Meetings mitschreiben lassen, ohne Bot im Raum
🔒 Die KI, die zu gefährlich ist, um sie zu zeigen
Anthropic, die Firma hinter den Claude-Modellen, hat eine KI gebaut, die in jedem Stück kritischer Software nach Sicherheitslücken sucht. Und in jedem hat sie welche gefunden. FFmpeg, OpenBSD, alle großen Browser, dem Linux-Kernel. Tausende Schwachstellen, einige davon Jahrzehnte alt. Nun hat US-Finanzminister Scott Bessent und Fed-Chef Jerome Powell persönlich Bankchefs ins Gespräch gebeten um sie vor einem völlig neuen Sicherheitsrisiko zu warnen. Das Modell heißt Mythos, und es wird nicht veröffentlicht. Vorerst!
Stattdessen gibt es Project Glasswing: ein Konsortium aus AWS, Apple, Microsoft, Crowdstrike und anderen, die exklusiven Zugang bekommen, um die gefundenen Lücken zu stopfen bevor jemand anderes sie findet.
Erst die Feuerwehr, dann alle anderen
Das Playbook ist nicht neu. Neue Technologien gehen zuerst an die, die damit am meisten anrichten können oder am meisten davon profitieren. In diesem Fall landen sie bei Unternehmen, die das Netz buchstäblich am Laufen halten. Aus unserer Sicht ist die Logik tatsächlich vernünftig: Wenn eine KI autonome Cyberangriffe auf Bankinfrastruktur ermöglichen kann, macht es Sinn, dass die Verteidiger zuerst Zugang bekommen. Die Frage ist nur, ob Mythos wirklich diese Bedrohung darstellt.
Tausende Lücken, von denen wie viele wirklich gefährlich sind?
Hier wird's eng für die Anthropic-Erzählung. Kritiker weisen darauf hin, dass die Behauptung von "Tausenden schwerwiegenden Schwachstellen" auf gerade mal 198 manuellen Überprüfungen basiert. Die meisten der gefundenen Bugs sind nicht ohne Weiteres ausnutzbar. Das erinnert an eine alte PR-Mechanik: Wenn ein Unternehmen sein eigenes Produkt als zu gefährlich für die Öffentlichkeit vermarktet, ist die Gefährlichkeit selbst das Produkt.
Das ändert nichts daran, dass das Muster, das sich hier abzeichnet, real ist. Wenn KI-Modelle tatsächlich irgendwann Viren entwerfen oder kritische Infrastruktur angreifen können, brauchen wir genau diese Struktur: Verteidiger zuerst, breiter Zugang erst nach Absicherung. Aber das setzt voraus, dass man dem Unternehmen glaubt, das die Bedrohung selbst definiert und gleichzeitig den Schlüssel zum Schloss verkauft. Tausende Lücken, sagten sie. Wie viele davon sind bis Ende Jahr gepatcht, und wie viele davon wären ohne Mythos ohnehin nie ausgenutzt worden? Das wird die überprüfbare Antwort auf die Frage sein, ob das Containment-Narrativ ein Sicherheitskonzept ist oder ein Marketingstunt.
Quellen: Pressemitteilung, Technische Analyse, Bloomberg-Bericht, Kritik
🛠 Trai it out:
Granola
Granola hat sich in den letzten Monaten als Meeting-Notetaker einen Namen gemacht, also als Tool, das Besprechungen mitschreibt und zusammenfasst, und ist jetzt gerade dabei, deutlich mehr zu werden. Mit 125 Millionen Dollar frischem Kapital und einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar baut das Unternehmen die App zu einer vollständigen Enterprise-KI-Plattform aus, inklusive Agent-Unterstützung (also KI, die eigenständig Aufgaben übernimmt). Was Granola von der Konkurrenz abhebt: Es läuft lokal auf dem Mac, hört das Audio direkt mit und braucht keinen Bot im Meeting-Raum. Link
Tools kurz & knackig:
- Notion MCP — Verbindet KI-Agenten direkt mit dem eigenen Notion-Workspace, zum Lesen, Schreiben und Bearbeiten von Seiten.
- Podcast Transcript — Spotify- oder Apple-Podcast-Episode suchen, auswählen und in Minuten ein vollständiges Transkript plus Zusammenfassung bekommen, ganz ohne Upload.
- Littlebird — Liest den Bildschirminhalt in Echtzeit mit und macht alles, was man am Rechner bearbeitet hat, per Suche oder Frage wieder auffindbar.
- Tinker — Shopifys kostenlose App für KI-generierte Produktfotos, Videos, 3D-Modelle und Werbemittel direkt vom Smartphone.
🍭🍬 Gemischte Tüte
📖 Must Reads:
Unsere Gemischte Tüte ist immer vollgepackt - in dieser Sektion kuratieren wir die aus unserer Sicht wichtigsten Links:
Amazon investiert 2025 rund 200 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur CEO Andy Jassy verteidigte die Ausgaben öffentlich und erklärte, Amazon werde bei KI-Investitionen nicht auf Zurückhaltung setzen. Der Großteil des Budgets fließt in KI-Infrastruktur und Chips. Link
Google veröffentlicht Gemma 4 als echtes Open-Source-Modell Google hat Gemma 4 unter der Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht, die anders als Metas Lizenz keine kommerziellen Einschränkungen enthält. Die 31-Milliarden-Parameter-Version läuft auf einer einzelnen Consumer-GPU und erfordert nur 20 GB Download, während vergleichbare Modelle über 600 GB benötigen. Link
KI-Modelle verwalten echtes Geld in Live-Börsenexperiment Die Plattform Rallies AI Arena lässt mehrere KI-Modelle jeweils 100.000 Dollar in Echtzeit an der Börse investieren. Nach vier Monaten führen Claude und Gemini das Ranking an, während alle GPT-Modelle hinter dem S&P 500 zurückbleiben und Qwen sein gesamtes Budget in eine einzige Aktie investierte. Link
🌍 Geopolitik & AI Race:
- Chinesische KI-Labs Zhipu, DeepSeek und Huawei veröffentlichen konkurrenzfähige Open-Source-Modelle. Link
- Anthropic erkundet die Entwicklung eigener Chips. Link
- Treasury Secretary Bessent und Fed-Chef Powell warnen Wall Street vor Cyber-Risiken durch Anthropics neues Modell. Link
👩💻 Tech-News:
- Ramp AI Index zeigt Anthropic wird OpenAI in der Nutzung innerhalb eines Monats überholen. Link
- OpenAI stoppt UK-Datenzentrum-Deal wegen Energiekosten und Regulierung. Link
- Mistral AI bringt anpassbare AI Agents für verschiedene Use-Cases auf den Markt. Link
- Anthropic erweitert Bug-Bounty-Programm für die Sicherheitsforschung. Link
- Anthropic beendet Tender Offer, Beschäftigte halten ihre Anteile. Link
- Anthropics neue No-Code-App-Builder-Funktion ähnelt Lovable. Link
- Meta baut KI-Klon von Mark Zuckerberg zum Gesprächspartner für Beschäftigte, damit er länger coden kann. Link
- Anthropic sperrt OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger temporär von Claude aus. Link
- The Information: Anthropics Umsatzwachstum deutet auf Überbewertung von OpenAI hin. Link
👷 Arbeitswelt:
- 44 Prozent der Gen-Z-Arbeitnehmenden sabotieren KI-Projekte im Unternehmen aktiv. Link
- Fast die Hälfte der Studierenden erwägt Fachwechsel wegen KI-Jobängsten, 16 Prozent haben bereits gewechselt. Link
🔐 AI Safety & Governance:
- Gig-Worker bei Scale AI mussten Bilder von Kindern taggen und explizite Inhalte transkribieren. Link
- Kleine Modelle finden ähnliche Cybersecurity-Lücken wie größere "Mythos"-Modelle. Link
🏥 Health & Science:
- Forscher nutzen KI um 400.000 Reddit-Posts zu analysieren und unbekannte GLP-1-Nebenwirkungen zu finden. Link
🎨 Kreativ & Medien:
- Demis Hassabis hätte KI lieber länger in der Forschung gehalten statt als Chatbots zu kommerzialisieren. Link
- Google-Ingenieur klagt mit KI-Hilfe gegen Universitäten wegen Ablehnungen trotz Google-Anstellung. Link
🆕 Neue Anwendungsfelder:
- Neue App ermöglicht Gespräche mit KI-generiertem Jesus für 1,99 Dollar pro Minute. Link

🧂 Salty Memes:

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