💥 Ist die KI-Blase geplatzt? Der Untergang des Leopold Aschenbrenners
PLUS: KI-Regeln der EU in Kraft & das Ende der Mathematik?
Hallo Freunde,
das deutsche KI-Wunderkind ist gefallen, Mathematiker postulieren das Ende ihres Berufsstandes, und die KI-Regeln der EU treten in Kraft. Vergleichsweise eine ruhige Woche, würden wir sagen. Oder?
Immerhin gibt es jetzt auf LinkedIn die Funktion, Posts auf der Plattform als AI-Slop (also offensichtlich und schlecht geschriebene KI-Inhalte) zu melden. Aber was bleibt dann auf LinkedIn noch übrig?
Los geht's!
Peanuts für heute:
🧠 Die Große Nuss: Ist die KI-Blase geplatzt? Der Untergang des Leopold Aschenbrenners
📊 Highlight: Das Ende der Mathematik! OpenAIs Modell löst zehn offene Matheprobleme
🛠️ Trai it Out: Fertige Videopodcast-Episoden aus PDFs erstellen


💥 Der Untergang des Leopold Aschenbrenner: ist die KI-Blase geplatzt?
Als die ersten Gäste zu Leopold Aschenbrenners Hochzeit in Carmel, Kalifornien, eintrafen, verhandelte sein Team darüber, wie sein Investmentfonds die nächsten Stunden überleben sollte.
Geplant war eine mehrtägige Feier an der Küste. Die Zeremonie sollte in einer Villa im toskanischen Stil stattfinden, der Abschluss in einem Spa im Wald. Vorher gab es ein Kolloquium mit Panels und Breakout Sessions. Klar! Absoluter Standard für jede Hochzeit, die wir diesen Sommer besucht haben.
Der 25-jährige Leopold Aschenbrenner wurde als der "KI-Nostradamus" oder "KI-Orakel" gehandelt. Deutsche Schlagzeilen nannten ihn das deutsche KI-Wunderkind. Genau wie wir: Wir haben im April über Aschenbrenner geschrieben. Der Berliner, ohne große Investmenterfahrung, gehörte innerhalb weniger Jahre zu den größten Hedgefonds der Welt und seit letzter Woche... nicht mehr!
Aber was bedeutet das? Ist die KI-Blase nun doch geplatzt?
Wer ist Leopold Aschenbrenner?
Leopold Aschenbrenner wuchs in Berlin auf und begann schon im Alter von 15 Jahren sein Studium an der renommierten Columbia University, wo er Wirtschaft und Mathematik beziehungsweise Statistik studierte. Mit 14 Jahren sprach er auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen und setzte sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aufgrund der bevorstehenden Automatisierung ein. Es gibt ein tolles Video davon! Lohnt sich. Mit 19 Jahren schloss er 2021 als Jahrgangsbester ab. Er arbeitete im Superalignment-Team von OpenAI und veröffentlichte 2024, kurz nach seiner Entlassung (ebenfalls spannende Geschichte, die wir aus Platzgründen überspringen müssen), den 165-seitigen Essay „Situational Awareness: The Decade Ahead“.
Dieses Essay gehörte für viele Wochen zur absoluten Pflichtlektüre im Silicon Valley. Anschließend gründete er einen Hedgefonds mit demselben Namen. Der Fonds kaufte Unternehmen aus der KI-Infrastruktur, darunter Chip- und Speicherhersteller, Rechenzentrumsanbieter und Energieunternehmen. Ein Portfolio, genau angepasst an die Vorhersagen, die er in seinem Essay beschrieben hat.
Diese Wette lief spektakulär gut. Mit einigen hundert Millionen Dollar gestartet, verwaltete der Fonds zuletzt noch mehr als 20 Milliarden Dollar. Bis Ende Juni lag Situational Awareness im laufenden Jahr 439 Prozent im Plus. Und das alles mit Mitte 20, wohlgemerkt!
Was letzte Woche wirklich passiert ist
Im Juli fielen mehrere seiner wichtigsten Aktien stark. Situational Awareness hatte viele davon mit geliehenem Geld gekauft (wir meinen hier den “Hebel” bzw. “Leverage”. So ist es für die meisten leichter zu verstehen). Laut Wall Street Journal lieh der Fonds für jeden eigenen Dollar zeitweise weitere drei bis vier Dollar. Die Rendite war also auf einem Berg von Schulden gebaut.
Einen einzelnen Auslöser für den Kursrückgang gab es kaum. Die Kurse gingen monatelang nur nach oben. Irgendwann musste es eine Korrektur geben.
Und wenn einmal Blut im Wasser ist, kommen die Haie. Andere Investoren verfolgten die öffentlichen Meldungen seines Fonds genau, viele hatten ähnliche Aktien gekauft. Als sich herumsprach, dass Situational Awareness bald verkaufen musste, begannen andere Fonds, gemeinsame Positionen abzustoßen und auf den Absturz von Aschenbrenner zu wetten.
Das klingt brutal, gehört aber zur Realität stark gehebelter Fonds. Sobald der Markt weiß, dass ein Investor verkaufen muss, bestimmt dieser Investor weder den Zeitpunkt noch den Preis.
Aschenbrenners Banken verlangten zusätzliches Geld und Sicherheiten. Der Fonds musste verkaufen, obwohl er weiter an seine langfristige KI-These glaubte. Der WallStreet-Gigant Citadel kaufte schließlich einen großen Teil des börsennotierten Portfolios.
Situational Awareness verlor im Juli rund 67 Prozent. Weil der Fonds zuvor so außergewöhnlich stark gestiegen war, blieb seit Jahresbeginn trotzdem ein Plus von ungefähr 80 Prozent. Aus 100 Dollar waren bis Ende Juni rechnerisch 539 Dollar geworden. Nach dem Absturz blieben davon noch etwa 178 Dollar übrig.
Aschenbrenner macht weiter
In einem Brief an seine Investoren übernahm Aschenbrenner die Verantwortung. Der Fonds habe zu viel Risiko getragen und müsse künftig so aufgebaut sein, dass er einen schweren Verlust verkraften und weiterkämpfen könne.
Genau das will Aschenbrenner tun. Situational Awareness entfernte sämtliches geliehenes Geld aus dem Portfolio und behielt laut Reuters Vermögenswerte im Wert von rund zehn Milliarden Dollar. Dazu gehören verbliebene Aktien und private Beteiligungen, vor allem der wertvolle Anteil am KI-Labor Anthropic.
Wir denken seit mehr als drei Jahren regelmäßig, dass der KI-Boom jetzt wirklich an seine Grenze stoßen müsste. Bislang lagen wir mit diesen Doom-Einschätzungen immer wieder falsch. Die Modelle wurden leistungsfähiger, mehr Rechenleistung brachte weiterhin Fortschritte und Aufgaben, an denen KI-Systeme vor wenigen Jahren scheiterten, sind heute lösbar.
Auch die unmittelbare Marktreaktion passt kaum zu einem endgültig geplatzten KI-Boom. Direkt nach Aschenbrenners Verkauf stiegen einige seiner Positionen um 25 Prozent.
Noch ist die KI-Blase also nicht geplatzt. Geplatzt ist Aschenbrenners Versuch, eine langfristige technologische Entwicklung mit extrem viel geliehenem Geld zu beschleunigen.
Sorgen müssen wir uns um Leopold Aschenbrenner trotzdem kaum machen. Er hat sich bei der Konstruktion seines Fonds spektakulär verzockt. Das macht ihn nicht plötzlich zu einem schlechten KI-Analysten. Mit Mitte zwanzig hat er einen der am schnellsten wachsenden Hedgefonds der vergangenen Jahre aufgebaut, Milliarden eingesammelt und eine Investmentthese formuliert, die weiterhin ernst genommen wird.
Außerdem hat er letztes Wochenende, wie gesagt, geheiratet, und zwar niemand Geringeren als die Chief of Staff von Anthropic. Mehr KI-Pärchen geht kaum.
Während die Gäste eintrafen, verlor Aschenbrenner einen großen Teil seines Portfolios und fast seinen gesamten Ruf als unfehlbares KI-Orakel. Seine Hochzeit fand trotzdem statt. Sein Fonds macht weiter, dieses Mal ohne Hebel.
Godspeed, Leopold!
Quellen: Financial Times, Wallstreet Journal.

🛠 Trai it out:

HeyGen AI Video Podcast
Dass dieses Tool eine klare Empfehlung ist, können wir diese Woche nicht behaupten. Aber beeindruckend ist es allemal. Du gibst eine URL, ein PDF oder einfach ein Thema ein, und HeyGen produziert daraus eine fertige Videopodcast-Episode mit zwei KI-Sprechenden, synchronisierten Stimmen, Untertiteln und B-Roll.
Kein Mikrofon, kein Schnitt, keine Studiotechnik. HeyGen ist vor allem als Avatar-Videoplattform bekannt und baut diesen Ansatz konsequent aus: Statt statische Talking-Head-Videos zu erstellen, simuliert das Tool jetzt echte Gesprächsdynamik zwischen zwei Hosts. Das klingt auf den ersten (und zweiten) Blick seltsam, weil man sich fragt, wer das wirklich braucht. Vielleicht Unternehmen, die interne Wissensformate schnell und günstig skalieren wollen, Konferenzbeiträge nachverwerten oder Whitepapers zugänglicher machen wollen?
Wir haben lange in der Podcast-Industrie gearbeitet und da war Authentizität immer ein wichtiger Grundstein. Vielleicht hat sich das geändert! Wenn ihr das nächste Mal einen Podcast-Clip teilt, vielleicht mal nachgucken, ob die Hosts überhaupt existieren! Link
Tools kurz & knackig:
Synthesia Roleplay Sessions — Übt schwierige Arbeitsgespräche wie Feedbackgespräche oder Verkaufspitches mit einem KI-Avatar, der antwortet, widerspricht und am Ende bewertet.
Cleanlist — Wandelt eine Beschreibung in normaler Sprache ("100 StartUps in Berlin mit 50 bis 200 Mitarbeitenden") in eine CRM-fertige Kontaktliste mit verifizierten E-Mails und Telefonnummern um.
Layer-wise Inference Tool — Die meisten von uns werden damit nichts anfangen können, aber technisch ist es sehr beeindruckend. Dieses kostenlose Tool ermöglicht es, riesige Modelle auf einer Laptop-Grafikkarte auszuführen, indem es immer nur einen Teil des Modells gleichzeitig speichert. Der Nachteil ist, dass es (DEUTLICH!) langsamer ist. Trotzdem könnte das in der Zukunft wichtig werden.
Replit Design — Generiert aus einem Prompt, einer URL, einem Figma-File oder einem Screenshot fertige Landing Pages, Prototypen und E-Mail-Templates.
Google Earth Nano Banana — Lässt reale Orte mit KI umgestalten oder historische Szenen rekonstruieren, basierend auf echten Satelliten- und Luftbilddaten.

🍭🍬 Gemischte Tüte
📖 Must Reads:
Unsere Gemischte Tüte ist immer vollgepackt - in dieser Sektion kuratieren wir die aus unserer Sicht wichtigsten Links:
EU-Regeln in Kraft. Die EU setzt gleichzeitig auf strengere Regeln und mehr KI-Infrastruktur. Seit dem 2. August müssen KI-Inhalte wie Deepfakes gekennzeichnet werden, Chatbots offenlegen, dass sie keine Menschen sind, und Nutzer erfahren, wenn KI sie analysiert. Gleichzeitig wurden die Vorgaben für kleinere und mittelgroße Unternehmen vereinfacht und Fristen verlängert. Parallel plant die EU bis zu sieben KI-Gigafabriken, für die öffentliche Mittel von bis zu zehn Milliarden Euro weitere private Investitionen anziehen sollen. Link, Link, Link
OpenAI-Modell Astra löst zehn offene Matheprobleme. Das klingt erst einmal langweilig ... aber hear us out! OpenAIs noch nicht veröffentlichtes Modell Astra hat laut Ankündigung zehn langfristige offene Probleme in Mathematik, Quantenkomplexität und theoretischer Informatik gelöst. Das ist insofern beeindruckend, weil Sprachmodelle vor wenigen Jahren noch nicht einmal verlässlich bis zehn zählen konnten und heute begnadeten Mathematikern Konkurrenz machen. Dieser Post von einem Mathematik-PhD zeugt davon, wie beeindruckend das ist, und Mathematiker haben mit der Frage zu kämpfen, was sie nun eigentlich tun sollen. Mathematik und Programmierung sind die ersten Bereiche, in denen KI nun auch den Top-Experten Paroli bieten kann. Link
Noch mehr KI-Modelle von OpenAI und Anthropic drangen aus Testumgebungen aus. Wir haben letzte Woche ausführlich über den OpenAI/Hugging Face Vorfall berichtet, bei dem ein Agent sich aus der Testumgebung von OpenAI befreite und ein fremdes Unternehmen hackte. Nun gab Anthropic bekannt, dass seine Modelle ebenfalls während Tests unbefugt auf die Produktionsinfrastruktur von drei Unternehmen zugegriffen hatten. Anthropic entdeckte die drei Fälle erst bei einer Überprüfung von mehr als 140.000 Testläufen, die durch OpenAIs Offenlegung ausgelöst wurde. Anschließend hat auch OpenAI weitere Vorfälle bekannt gegeben. Streiten sie sich jetzt darüber, wessen Modell die meisten Unternehmen hackt? Es scheint so. Link
China bringt zwei neue Open-Source-Modelle, die bei den Spitzenmodellen mitspielen sollen. DeepSeek hat V4-Flash deutlich für autonome Coding-Aufgaben verbessert und hält den API-Preis bei 0,28 Dollar pro Million Input-Token. Alibaba veröffentlicht mit Qwen3.8-Max ein Modell mit 2,4 Billionen Parametern an, das bis zu zehn Tage selbstständig programmieren können soll. Die offenen Modellgewichte sollen in der kommenden Woche erscheinen. Link, Link
🇪🇺 EU & Deutschland:
Microsoft investiert Milliarden in Mistrals Rechenzentren in Frankreich und bringt Mistrals Modelle in Azure, Copilot Studio und Foundry unter. Link
Münchner Gericht erklärt Suno für schuldig, urheberrechtlich geschützte Musik der GEMA ohne Lizenz trainiert zu haben. Suno muss Schadenersatz zahlen und will in Berufung gehen. Link
👩💻 Tech-News:
OpenAI senkt die Preise für GPT-5.6 Luna um 80 Prozent und bringt mit Sol Fast eine schnellere, teurere Variante. Link
Mira Murati bestätigt, dass Inkling-Small ab sofort auf Tinker feinjustierbar ist und in Text, Bild und Audio getestet werden kann. Link
Elon Musk spricht in einem einstündigen Economist-Interview vor allem über seine Vision für den Humanoid-Roboter Optimus. Link
Investor Gavin Baker beobachtet, dass private KI-Firmen wie OpenAI und Anthropic gerade ihre besten sechs Wochen haben, während KI- und Chip-Aktien an der Börse einbrechen. Link
Andrej Karpathy lässt Opus 5 aus dem ersten Absatz von "Der Herr der Ringe" eine komplette 3D-Welt programmieren, 5500 Zeilen Code in zwei Stunden. Lange galt ein Pelikan-SVG als Gradmesser für Modellstärke, jetzt wird es offenbar größer. Link
Anthropic legt in einem neuen Blogpost erstmals ausführlich seine Position zu offenen Modellgewichten dar. Link
Das Startup Friend bringt die zweite Version seines KI-Begleiters auf den Markt. Wirkt irgendwie…dystopisch. Link
💻 Agentic Engineering:
GPT-5.6 Sol hat eigenständig OpenAIs Produktions-Code optimiert und die Server-Kosten um 20 Prozent gesenkt. Das gilt als frühes Beispiel für Recursive Self-Improvement, wenn KI sich selbst effizienter macht statt nur von Menschen verbessert zu werden. Link
Claude Opus 5 baut in einer 12-stündigen Session ein komplett spielbares Pokemon-Spiel mit 3D-Welten und Kämpfen. Link
🌍 Geopolitik & AI Race:
Mark Zuckerberg fordert in einem Wall-Street-Journal-Op-Ed schnellere statt gebremste KI-Entwicklung in den USA und kritisiert "Angstmacherei" der Konkurrenz. Link
Beschäftigte von OpenAI, Anthropic, Google und Meta unterzeichnen offenen Brief für eine gemeinsame Pause der KI-Entwicklung. Link
Taiwan nimmt einen Nvidia-Mitarbeiter wegen mutmaßlichen Chip-Schmuggels nach China fest. Link
👷 Arbeitswelt:
Große Unternehmen stellen trotz KI-Sorgen wieder verstärkt ein, während die US-Arbeitslosenanträge auf einem Jahrzehnte-Tief liegen. Link
KI-Firmen stellen tausende Elektriker und Handwerker für den Bau ihrer Rechenzentren ein. Link
Stanford-Ökonomen finden in ihrer Analyse zur Job-Wirkung von KI bislang keinen eindeutigen Trend. Link
Laut OpenAI-Studie erledigen 43,5 Prozent der berufsbezogenen ChatGPT-Anfragen Aufgaben, die eigentlich zu einem anderen Beruf gehören. Link
Eine Schule im Bundesstaat New York stoppt den Einsatz eines menschenähnlichen KI-Roboters als Lehrkraft nach Protesten aus der Gemeinde. Link
Erste Universitäten schaffen KI-Erkennungssoftware wegen zu vieler Fehlalarme wieder ab. Ein Glück! Das hatte noch nie funktioniert! Link
🔐 AI Safety & Governance:
🎨 Kreativ & Medien:
OpenAI stellt mit gpt-transcribe und gpt-live-transcribe zwei neue Modelle für Sprachtranskription vor. Link
Autor Hugh Howey beschreibt in einem Blogpost das Ende einer Ära, in der KI mittlerweile so gut schreibt wie Menschen. Für viele Autorinnen und Autoren wird das zur existenziellen Frage. Link
Sony, Universal und Warner fordern von Chart-Betreibern weltweit, KI-generierte Songs von den Charts auszuschließen, wenn sie nicht überwiegend von Menschen stammen. Link
Ein philippinischer Künstler verklagt einen KI-Meme-Generator, weil dieser sein persönliches Comic ungefragt als Werbevorlage verkauft. Link

🧂 Salty Memes:

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